Focusing-Wochen 2022


Teil 1 - Auftaktseminar

Donnerstag, 11.08. bis Samstag, 13.08.2022
(Beginn am Donnerstag um 18 Uhr mit dem Abendessen / Ende am Samstag um 13 Uhr mit dem Mittagessen)

 

Prä-Therapie: Halt anbieten bei Kontaktverlust - Wenn Beziehungsgeschehen und Kommunizieren "schwierig" sind - radikal personzentriert zurück zu den Wurzeln

mit unserem Gastreferenten Dion van Werde aus Belgien

Die Theorie und Praxis der Prä-Therapie wurde von Dr. Garry Prouty (1936-2009) entwickelt, mit dem Dion eng zusammen arbeitete. Dieser Ansatz wird hier vorgestellt und die Bezüge zu Carl Rogers und Gene Gendlin herausgearbeitet. Prouty entwickelte mit der Prä-Therapie also eine Methode, mit der beeinträchtigte Kontaktfunktionen von Menschen wiederhergestellt werden können. Laut Prouty tragen Symptome in sich den Schlüssel zu Beziehung und Gefühlen, zu Verstehen und Bedeutung. Die Teilnehmer:innen erfahren durch Vorführungen und Rollenspiele, wie mit Prä-Therapie der Kontakt bzw. die Kontaktfähigkeit wieder erweitert werden kann und erleben so eine äußerst zarte Art des Empathisch-seins für die individuelle Art, wie die Klient:in im Leben steht (z.B. belastet durch Dissoziationen oder reaktive Traumata). Ziel ist es, Prä-Therapie als eine Bereicherung für die alltägliche therapeutische und beraterische Arbeit kennenzulernen – unabhängig davon, ob man wie Prouty auch, mit stark im Kontakt beeinträchtigten, akut psychotischen oder Menschen mit geistigen Handicaps arbeitet oder Angehörig:e ist.
Vorkenntnisse in Focusing: keine; dies ist ein Einführungsworkshop mit Selbsterfahrungscharakter

Gastreferent:

Unser Gastreferent Dion van Werde begeistert uns u.a. durch die Lebendigkeit und Kreativität seines Auftretens und Vermittelns. Er ist M.A. Psychologe, Gesprächspsychotherapeut und belgischer Klinischer Psychologe mit Schwerpunkt in Person Centered Experiential Psychotherapy. Seine Ausbildung in Prä-Therapie hat er bei Garry Prouty in Chicago (USA) absolviert. Auch hat er während dieser Periode mit Gendlin einen gemeinsamen Artikel über Traumarbeit veröffentlicht. Er ist Begründer, Trainer und Koordinator des “Pre-Therapy International Network”. Er hat mehrere Werke zu Prä-Therapie veröffentlicht (siehe unter “references“ bei www.pre-therapy.com) und ist freiberuflich als internationaler Dozent und Supervisor mit Vorträgen und Workshops bekannt. Er lebt und arbeitet jetzt in Deutschland und hält seine Kurse in Deutsch. 
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Hierzu ein Auszug aus unserem Interview mit Dion:

Antje: Ist Prä-Therapie eine Bereicherung, auch für „Focusing-Menschen“?

Dion: Ich empfinde es als eine kolossale Herausforderung, die radikal klientenzentrierte Grundhaltung des "Mit-Seins" in der Praxis zu leben: mit Menschen zu arbeiten, ohne Erwartungen zu haben. Was in der Therapie gebraucht wird, wird erst währenddessen geboren, es zeigt sich im Moment. Eine empathische Einstimmung auf den anderen bringt so etwas mit sich. Es klingt ein bisschen romantisch, aber ich möchte so arbeiten. 

Mit Menschen, die ein höheres Kontaktniveau haben, ist es wahrscheinlicher, dass Sie Dinge vereinbaren und aktiv zusammenarbeiten können, mit Zielen arbeiten, Fragen beantworten, Vorschläge machen usw. Ich bin auch nicht abgeneigt, direkter zu arbeiten, z. B. durch Hausaufgaben, oder einen Vorschlag für eine Übung zu machen, aber nur mit äußerster Sorgfalt.
Meine Überlegungen sind sehr stark von der Arbeit mit Menschen bestimmt, die auf einer sehr niedrigen Kontaktebene funktionieren, die daher nicht sehr frei sind, die weder im Hier und Jetzt sind, noch vollständig in der gemeinsamen Realität. Wenn Sie nicht mit größter Sorgfalt und Vorsicht vorgehen, schieben und zerren Sie. Und dann weiß man nicht mehr wirklich, was man tut. Dabei spielt auch das Nicht-Hinzufügen von Leiden eine Rolle, denn wer bin ich, dass ich aus einer Expertenposition heraus etwas mit dem Klienten mache? 

zum vollständigen Interview


Teil 2 - Ausbildungs- und Themenworkshops (zeitgleich parallel laufend, nur einzeln und ganz buchbar)

Samstag, 13.08. bis Mittwoch, 17.08.2022
(Beginn am Samstag um 18 Uhr mit dem Abendessen / Ende am Mittwoch um 13 Uhr mit dem Mittagessen)

 

Ausbildungsseminar

Focusing I - Einführungs- und Grundlagenseminar

mit Florian Christensen und Achim Grube

Focusing ist ein Zugang zu unserem noch nicht gewussten inneren Erleben. Die meisten Menschen kennen körperlich vage und unscharfe Empfindungen. Sie begleiten unser Erleben bei persönlich wichtigen Fragen und Problemen aber auch in alltäglichen Situationen. Im Focusing wenden wir uns dieser inneren Welt - für die wir noch keine Worte haben - in achtsamer und interessierter Weise zu. Indem wir den körperlich gespürten Ahnungen folgen, beginnt ein Verstehensprozess, der über das Gedachte und auch über die schon bekannten Gefühle hinausgeht. Wir finden neue stimmigere Perspektiven und eine bessere Verbindung zu uns selbst; die eigenen Freiheitsgrade werden erhöht. Das Grundlagenseminar ist für alle Interessierten offen, die Focusing kennen lernen oder frühere Erfahrungen auffrischen möchten – gleich ob persönlich oder beruflich motiviert. Ausgehend von eigenen kleinen Themen können Sie die Wirkweise des Focusing in sich erfahren. Im Zweiersetting können erste Schritte im Focusingbegleiten erkundet werden und kleine erlebensbezogene Theorieeinheiten schaffen zusätzlich ein grundlegendes Verständnis des Prozessgeschehens.
Voraussetzung: Neugier
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Ausbildungsseminar

Focusing­ II -  Aufbau-Seminar und Begleiten lernen

mit  Astrid Bansen

Sie haben erste Erfahrungen mit Focusing gemacht und möchten nun wissen, wie die Begleitung des Prozesses von anderen und durch andere aussehen kann? Dieses Seminar bietet Ihnen die Gelegenheit, vertiefende Begriffe und Methoden aus dem Focusing zu erlernen und anzuwenden. Das Einüben der wechselseitigen Begleitung wird im Mittelpunkt der gemeinsamen Seminararbeit stehen. Im partnerschaftlichen Focusing können Sie die unterschiedlichen Techniken der Begleitung, wie zum Beispiel das Saying Back und das Fragenstellen, praktisch ausprobieren. Sie lernen dabei kennen, welche unterschiedlichen Erlebenszugänge zum Felt Sense möglich sind und wie der Umgang mit Engstellen und kritischen Stimmen im Focusing-Prozess gelingen kann. Begleitend und unterstützend werden hierzu individuelle Wege zur körperlichen Präsenz und zum persönlichen Freiraum aufgezeigt und eingeübt. Im Seminar erleben Sie Focusing im Wechsel von Theorie und Praxis (in eigenen Focusing-Prozessen) und sind danach in der Lage, partnerschaftliches Focusing in seinen Grundzügen selbstständig anzuwenden.
Voraussetzungen: Nachweis der Teilnahme am Modul Focusing I oder der abgeschlossenen GFK - Basisausbildung.
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Themenworkshop

Family Body

mit Thomas Franke und Antje Sommer-Schlögl

Unser Erleben, Fühlen und Handeln, unser Verarbeiten und Steckenbleiben in bestimmten Lebenssituationen ist zum großen Teil von Mustern beeinflusst, die wir schon früh in unseren Herkunftsfamilien kennengelernt, ausgeformt und beibehalten haben. In unseren Körpern gespeichert, veranlassen uns diese Muster, in dieser eigenen Art zu empfinden und zu reagieren, oft auch, wenn es „eigentlich“ angemessenere, mitunter weniger schmerzhafte, „erwachsenere“ Bewältigungsmöglichkeiten gibt. Diesem Erbe wollen wir in diesen Tagen nachgehen und es uns ermöglichen, in der Gruppe einzelne, vielleicht bedeutsame Familienszenen neu zu beleben und in einer Skulptur aufzustellen. Mit Hilfe der Gruppe können wir entdecken, welche Vor- und Nachteile es hatte, in dieser Familie aufzuwachsen und welche Muster bis heute prägend sind. In einem weiteren Schritt wollen wir mit Hilfe von Focusing unsere Wachstumsrichtung körperlich erspüren sowie neue Haltungen und Handlungen ausprobieren, welche aus einem möglicherweise schon lange belastenden Aspekt unseres Familienskripts heraus führen und Neues lebendig werden lassen.
Voraussetzungen: Eine Bereitschaft, sich auf sich selbst einzulassen, Vorerfahrungen mit Focusing sind nicht erforderlich.
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Themenworkshop 

Das Lebendigste ist in uns selbst zu Hause mit Silvia Boorsma 

Dieser Programmpunkt muss wegen Krankheit der Kursleiterin entfallen, bzw. wir können eine attraktive Alternative anbieten:

 

FOCUSING - kreativ erleben

mit Christine Grube, Focusing-Ausbilderin (FN), Supervisorin und Gesundheitscoach

Das theoretische Wissen ist vorhanden, eigene Erfahrungen mit Focusing sind erlebt. Der Wunsch nach Vertiefung, Auffrischung, Veränderung mit Focusing besteht.

Eintauchen in Focusing mit dem, was jeder individuell mitbringt. Kreativität ist kein MUSS, eher ein DÜRFEN oder ein GEWECKT WERDEN, ES darf entstehen.

Es darf erlebt werden:

Einen Blick auf eigene Themen werfen, die uns immer mal wieder einholen, uns begleiten, uns blockieren, in Focusing-Haltung wahrnehmen. Eingebettet in Übungen aus der Körperarbeit mit Feldenkrais, QiGong, etc. wird mit Methodenvielfalt im Schreiben, Malen, in der Bewegung und mit Visualisierungstechniken das Eigene gewürdigt, und es kann sich entfalten - ganz individuell und experimentell.
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Themenseminar

Im Vertrauten steckt immer schon das Neue - Selbsterfahrung mit erlebensbezogener Konzeptentwicklung 

mit Regina Jürgens und Monika Lindner 

- muss leider entfallen


Poolprogramm und Ferientage im Humboldt-Haus
Parallel zu den Veranstaltungen findet das Poolprogramm statt. Dies ist eine Möglichkeit, ein Seminar zu verdauen oder sich auf ein weiteres vorzubereiten, sich endlich einem eigenen Projekt in Ruhe widmen zu können, sich mit jemandem zum partnerschaftlichen Focusing zu treffen... oder einfach ein paar Tage auszuspannen. Die Anwesenden organisieren sich selbst; es gibt keine Leitung, keine Vorgaben... vielmehr die spannende Erfahrung, Eigenem nachzugehen und trotzdem dabei zu sein. Dabei lässt sich von der Atmosphäre profitieren, die von den Seminaren ausgeht - vielleicht lässt sich auch selbst etwas dazu beitragen.
Auch für Partner:innen und Kinder von Seminarteilnehmer:innen ist das Poolprogramm eine gute Möglichkeit, die Fortbildungszeit mit gemeinsamer Ferienzeit zu verbinden. Das Humboldt-Haus eignet sich mit seinen Campingmöglichkeiten, dem Swimmingpool und der Sonnenterrasse gut als Ausgangspunkt für Unternehmungen im hügeligen Umland (Lindau, Bootsfahrt in die Schweiz, Zeppelinmuseum, Kletterhalle im Ort etc.). Morgens wird zur Teilnahme wahlweise Stilles Sitzen, Qigong und Yoga für alle offen angeboten.
Außerdem besteht die Möglichkeit, vor Ort Massage-Sitzungen (Aroma, Osho etc.) zu buchen, die das Wohlbefinden komplettieren.
Eingeladen sind alle, die einen inneren Faden zu den Focusing-Wochen haben.
Das Poolprogramm kostet nichts außer Unterkunft und Verpflegung, daher bitte beim Haus anmelden.
Wollen Sie sich ein Bild machen?
Dann schauen sie auf die Webseite des Humboldt-Hauses

Das gesamte Programm gibt es hier als PDF zum Runterladen.